SOS-Umweltprojekt in Sambia
Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung verbessern
Der Klimawandel und seine Folgen - vor allem Dürren - wirken sich auf Sambias Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung aus. Die Gelsenwasser-Stiftung unterstützt SOS-Kinderdörfer bei dem Umweltprojekt "Let's go green" in dem südafrikanischen Land.

Hintergrund zum Projekt "Let's Go Green"
Der Klimawandel ist nach wie vor eines der kritischen Themen, die die sozioökonomische Entwicklung Sambias beeinflussen. Dürre und Trockenheit, saisonale Überschwemmungen und Sturzfluten sowie extreme Temperaturen und die Auswirkungen des Klimawandels, die das Land erlebt, haben negative Folgen für die Lebensmittel- und Wassersicherheit, die Wasserqualität, die Energieversorgung und den nachhaltigen Lebensunterhalt der ländlichen Gemeinden. Allein durch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Agrarsektor sind 60 % der sambischen Bevölkerung gefährdet und in ihrer Existenzgrundlage bedroht.
Die verschiedenen Aspekte greifen ineinander
Das Projekt sollte dazu beitragen, in Sambia widerstandsfähige Systeme für die Landwirtschaft aufzubauen und so die Anfälligkeit für Dürre und Überschwemmungen in den Distrikten Choma und Kazungula in der Südprovinz durch die Bereitstellung von Wasserleitungssystemen und kleinen Bewässerungsanlagen zu verringern und gleichzeitig die Einkommen und die Möglichkeiten für den Lebensunterhalt zu verbessern und zu diversifizieren. Es war auf 18 Monate ausgerichtet und wurde um sechs Monate verlängert aufgrund unerwarteter Verzögerungen bei der Umsetzung und durch die Corona-Pandemie. Der Pilot wurde in sechs Dörfern der beiden Distrikte durchgeführt.
Die Distrikte haben ähnliche gemeinsame Herausforderungen:
- Subsistenzlandwirtschaft mit schlechten landwirtschaftlichen Praktiken
- begrenzte Diversifizierung der Kulturen und Sorten
- unsichere Lebensgrundlagen und erschwerter Zugang zu Märkten
- Abhängigkeit von den Niederschlägen für die Bewässerung der Kulturen
- sich ändernde Niederschlagsmuster, wie starke Regenfälle, die Überschwemmungen und Staunässe zur Folge haben, und längere Trockenperioden/Dürren, die vermehrt zu Ernteausfällen führen
- teilweise beträchtliche Entfernungen, um an Wasser zu gelangen
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sollte das Projekt den Dörfern Zugang zu sicherem und sauberem Wasser und einer Bewässerungsinfrastruktur verschaffen. Kombiniert werden sollte dies mit produktiver Bewässerung, Baumpflanzungen und alternativen landwirtschaftlichen Produkten, so dass die Erträge gesteigert, die Ernährungssicherheit verbessert und zudem die Ausbreitung von durch Wasser übertragene Krankheiten in den Gemeinden verringert werden können. Es sollte den Zugang zu Märkten ermöglichen, das Einkommen verbessern und zur Verringerung der Armut in den Gemeinden beitragen.
Ergebnisse des landwirtschaftlichen Projekts
Die Wasserversorgung ist gesicherter für die Gemeinden
Die Haushalte in den pilotierenden Dörfern verfügen nun durch Bohrlöcher und verbesserte Bewässerungsinfrastruktur über eine sicherere Wasserversorgung auch während der Dürreperioden. Die Gemeindemitglieder müssen keine langen Wege mehr zurücklegen, um sauberes Wasser zu holen. „Früher, vor dem Projekt, sind wir drei bis vier Stunden pro Weg gelaufen. Jetzt gehen wir nur noch 500 Meter weit, um Wasser zu holen“, so einer der teilnehmenden Haushaltsvorstände. Guter Nebeneffekt: Die Übernutzung des Baches eines Dorfes zum Beispiel ist zurückgegangen. Normalerweise trocknete er bereits im Mai jeden Jahres aufgrund der Klimaveränderung langsam aus.
Der Gemüse- und Obstanbau wird dem Klima besser angepasst
Neben der klassischen Anbauweise von Gemüse, die durch die verbesserte Bewässerung optimiert werden konnte, hat auch das Pilotprojekt der hydroponischen Lebensmittelproduktion (Aufzucht von Pflanzen durch Hydrokultur) angefangen, sich zu bewähren. Nutzpflanzen wie Okra, Karotten, Kohl, Raps, Frühlingszwiebeln, Tomaten und Knoblauch konnten mehr als vor den Maßnahmen geerntet werden. Die Menschen sind begeistert darüber, dass sie nun ganzjährig in der Lage sind, hochwertiges Gemüse anzubauen. Die Ernährungssicherheit hat sich erheblich verbessert.
Der Transport von Gemüse und Obst zu weiter entfernten Märkten zeigt kein optimales Ergebnis, was auf die weiterhin fehlende Anbindung zurückzuführen ist bzw. auf die mangelnde Kommunikation, wann und wo diese wechselnden Märkte stattfinden. Die Bauern verkaufen ihre Erzeugnisse daher immer noch überwiegend vor Ort.
Die Anpflanzung von Bäumen – vorwiegend Orangen-, Guaven-, Mango- und Moringabäume – hat sich bewährt, kann aber weiterhin ausgebaut werden. Die Menschen müssen noch mehr davon überzeugt werden, dass die Bäume zwar ein langsameres Wachstum haben, aber sowohl der Bodenerosion entgegenwirken als auch langfristig Früchte und Erzeugnisse z.B. für Medikamente liefern können.
Für die teilnehmenden Familien hat sich die Lage verbessert
Durch die erfolgten Maßnahmen zur Ernährungssicherheit können die am Projekt teilgenommenen Haushalte ihre Grundbedürfnisse besser abdecken. Die Familien sind in der Lage, die Schulgebühren, Schulbücher und Uniformen ihrer Kinder zu bezahlen. Sie haben das Geld, andere Grundgüter des täglichen Bedarfs, wie z.B. Salz und Zucker, Seife und Waschpulver sowie Kleidung zu kaufen. Ein weiteres Ergebnis, das selbst die SOS-Mitarbeitenden beim Aufsetzen dieses Pilotprojektes nicht direkt im Blick hatten, ist der Zeitfaktor für die teilnehmenden Familien. Die Frauen berichten, dass sie nun viel mehr Zeit haben. „Früher brauchten wir fast sechs Stunden, um Wasser, das kilometerweit entfernt ist, zu holen. Nun, nachdem das Wassersystem installiert ist, sind es nur noch 10 bis 20 Minuten. Wir haben genug Zeit zum Beispiel für die Kinderbetreuung. Auch unsere Kinder und Jugendlichen profitieren davon. Jetzt können sie regelmäßiger in die Schule gehen und haben Zeit zum Lernen“, meint eine der Mütter begeistert.

Fazit aus dem Pilotprojekt
Dieses Projekt wurde mit Ausnahme eines Dorfes von den pilotierenden Gemeinden her sehr gut angenommen. Vorkehrungen für Betrieb, Wartung und Reparatur der wasserrelevanten Anlagen sind vorhanden. Mit den Gemeinschaftsgütern wie Wasserleitungen und Bewässerungssystemen wird mit Sicherheit verantwortungsbewusst umgegangen. Der Nutzen wird über Jahre hinweg erhalten bleiben.
Die Anfälligkeit gefährdeter Familien in den Gemeinden für den Klimawandel durch den Aufbau von Systemen zur Sicherung des Lebensunterhalts wird verringert, die Lebensgrundlagen verbessert. Das Projekt hat das Potenzial auf der Grundlage der Ergebnisse des Pilotprojekts und nach erfolgten Nachbesserungen des Konzepts, dass die Erkenntnisse auf andere Gemeinden und Bezirke innerhalb der Provinz übertragen werden können.